690 Anhang einiger historisch-critischm
Man kann die Aussprüche der allgemeinen Kirchen-versammlungen als Aussprüche der ganzen Kirche an-sehen. Die Bischöfe reden hier im Namen allerGläubigen; wer sollte ihre Urtheile und Verordnun-gen nicht ehren? Allein diese Ehrfurcht hat ihre Gren-zen ; die größten Versammlungen erhalten nicht eher«einiges Ansehen, als wenn sie mit der Offenbarungübereinstimmen. Das ist die Meynung einesHicronymus, welcher doch schon in solchen Zeiten leb-te, wo die reinen Lehren der ersten Jahrhunderte mitmenschlichen Meynungen erst befleckt, und, da die Mey-nungen nach und nach in Irrthümer ausarteten, end-lich verfälscht wurden. Die Lehre des HeiligenGeistes, sagt er, ist diejenige, welche in den hei-ligen Schriften enthalten ist, und wenn dieZxirchenversammlungen etwas beschließen, wasWider sie ist, so verdamme ich ihre Aussprü-che^
Die römischen Gottesgelehrten berufen sich in derVertheidigung ihrer Lehre von dem Ansehen der Kir-che gemeiniglich auf den Augustinus, welcher an einemOrte sagt: Ich würde dem Evangelio nicht glauben,wenn mich nicht das Ansehen der Kirche dazu bewö-ge. Allein dieser große Lehrer muß sich entweder selbstwidersprochen haben, oder er muß durch andre Stellenaus ihm erklart werden. Er sagt an einem andern Orte:In der Schrift haben wir Christum gelernt;in der Schrift haben wir auch die Rirche ge-lernt ^. Wenn er uns an einem andern Orte unter-richten will, wie wir zur Einsicht in den wahren Ver-stand der Schrift dringen können, so schlagt er uns
nicht
* tlieronym. in epik, sci/^uxuli. exiK. 166.