Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
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der Welt. Erster Abschnitt, -i

konnte ein'Kaiser ausrichten, der wegen seiner Jahr nachSchwachheit, und noch mehr der starkem Gewaltwegen, die er selbst seinen Kindern gegeben hatte,verachtet war, dessen Befehlen niemand gehorchte,und der ein unbezahltes murrendes Kriegsherrführte? Er wurde von den Seinigen verlassen, Pi-pin zwang die Gemahlinn desselben in ein Kloster zugehen, und hatte auch feinen Vater gern genöthiget,ein Mönch zu werden. Unterdessen hatte Ludwigdurch seine wehmüthigen Vorstellungen die widrig-gcsinneten Stände zu Compiegne so gerührt, daß sieihn selbst ersuchten, seinen Thron wieder zu bestei-gen, vielleicht hatten sich diese Stürme nunmehrganz gelegt, wenn nicht Lothar, vermuthlich in derMeynung, daß er als Erstgebohrner mehr Rechehabe, mit seinem Vater ungerecht umzugehen, als seinjüngerer Bruder, sich seiner Person bemächtigt hatte.Welch ein Schauspiel für das Reich, da der Sohnseinen Vater überall im Triumphe als einen Gefan-genen herumführte, und von seinen Räthen einige ih-rer Würden beraubte, andre ins Gefängniß werfen,oder in Klöster bringen, und noch andern die Augenausstechen lies, ohne die väterlichen Vorbitten zuachten? Doch diesmal fanden die Mönche ihren 8zrVortheil bey seiner Befreyung. Ludwig und Pipin,welche so die überwiegende Macht ihres Bruders mitmisgünstigen Augen ansahen, ließen sich für ihrenVater gewinnen. Lothar wurde genöthigt, nicht al-lein Ludwigen seine Freyheit wieder zu geben, son-dern ihn auch um Verzeihung zu bitten. Die Ruhewurde also, aber nur auf eine sehr kurze Zeit, wiederhergestellt.

B z Michael,