Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 
  

5o Einleitung in die allgen:. Geschichte

Jahr nach che das Gelübde der Keuschheit beobachten, da manChr. Geb. dm-ch die Hülfe der Unkeuschheit Bifchof, ErzbischofundPabst, werden konnte!

In Deutschland war das Jahr vorher König^ 7- Ludwig gestorben. Der Kummer, daß er die Hun-nen , welche seit dem Anfange dieses Iahrhundertesalle deutschen Provinzen durchplünderten, nicht bän-digen konnte, hatte vermuthlich sein Ende beschleu-nigt. Die Deutschen waren so unglücklich wider sie,daß sie ihnen zinsbar werden mußten. Mit Lud-wigen starb der mannliche Stamm der Carolingerin Deutschland aus.

Nach seinein Tode wollten die Stände das Reich,das seit Arnolfs Zeiten schon mehr ein Wahlreich,als Erbreich gewesen war, dem Herzoge von Sachsen,Otto, einem sowohl tapfern, als weisen und großmü-yl2 thigen Greise, auftragen. Er lehnte aber diese be-schwerliche Würde seines hohen Alters wegen von sichab, und ungeachtet er sich schmeicheln konnte, daß dieStände seinen Sohn, Heinrich, gewiß wählen würden,wenn er ihnen denselben nur vorschlüge, so war er dochedel genug, die Krone lieber seinem Feinde, Conrad,dem Herzoge von Franken, zu gönnen. Also wurdeC Mfad zum Könige der Deutschen gewählt. Con-rad, den Ottons Großmuth rührte, wählte ihn zu sei-nem vertrautesten Freunde, und überließ sich seinemweisen Rathe fast in allen seinen Unternehmungen.Nur hätte dieser Greis, zum Besten des Reiches, län-ger leben sollen; denn mit seinem Tode schien auchder Friede und die Eintracht unter den Ständen zu91Z. u.f.I. sterben. Der König wollte seinen? Sohne Heinrich,einem feurigen und kühnen Prinzen, vielleicht ausEifersucht, vielleicht a^ch aus Vorsicht/nicht die ganze

Macht