Zweyter Abschnitt, 219
ten ferner, nach dem Unterrichte der göttlichen Offen-barung , daß nicht allein der Geist des Menschenunsterblich wäre, sondern daß auch ihre Körper auf-erstehen würden. Die Gnostiker hingegen muß«ten, vermöge einer richtigen und natürlichen Folge,aus ihrem Grundsätze von dem Sitze des Bösen inder Materie, diese angeführte Lehre verwerfen. Die-sem so wichtigen Einwürfe wider die gnostischenLehrgebäude glaubte Valentin»» vorzubeugen, wenner seine Menschen aus Geist, Seele und Leib zu-sammensetzte. Der Geist war seiner Natur nachunsterblich; der animalische Theil des Menschen,die Seele, war der Auferstehung fähig. Was hatte derChrist nunmehr gegen sein System einzuwenden?Hingegen bestund auch der Mensch aus einem ganzirdischen Theile, und dieser war zu einem völligen Un-tergange verurtheilet, und so war der gnostische Lehr-satz von dem Untergange der Materie gerettet.
Was die Moral dieses Gedichtes anbetraf: sowar sie nach der Abbildung, welche Irenaus davonmacht,für seine Anhänger sehr bequem. D^nn sobaldman seine Geheimnisse gefasset hatte: so war mangeistlich, und ein geistlicher Mensch hatte die Frey-heit , zu handeln, wie er wollte. Die Rechtgläu-bigen, die an seiner Gnosis keinen Geschmack fan-den, waren bloß animalisch. Für diese nur gehör-ten die guten Werke und das Märtyrerthum. Esist aber nicht unglaublich, daß ihm in der Sitten-lehre viele Lehren aufgebürdet worden sind, die ei-gentlich seinen Anhängern zugeschrieben werden müs-sen. Man fand einige unter ihnen, bey denen dieKeuschheit in keinem großen Ansehen war- Hinge-gen fand man unter ihnen viele so genannte heilige
Jung-