Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
230
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szo Geschichte der christlichen Religion.

bösen Gottes; und der gütige Gott hatte gar keinenAntheil an ihrem ganzen Wesen. Hermogenes,ein Maler, welcher die Ewigkeit der Materie leh-rete, und aus ihr den Ursprung des Bösen herlei-tete , gehörte ohne Zweifel auch zu den Marcioni-ten, ungeachtet ihn Tertullian einen Stoiker nennt.Eben dieses kann man von den Caianern, Abeli-ten, Serhitcn, und Melchisedekianern sagen.Die Nachrichten der Alten beschuldigen die ersten,daß sie sich aller in dem alten Testamente verurtheil-ten Menschen, eines Cains, Ejaus, der Sodomitenund anderer Sünder angenommen, und sie selig ge-sprochen hatten; eine lehre, die aus dem Grundsatze,daß der Juden Gott der böse Gott wäre, sehr natür-lich folgete. Von den Abeliren wird erzählet, daßsie zwar in der Ehe gelebet hätten, aber nicht m derAbsicht, Kinder darinnen zu zeugen. Vielleicht sinddie verheiratheten Nlarcioniren also genannt wor-den. Die Sethiten sollen den Serh, und dieLAelchiftdekianer den MelchiscdeL, entweder fürChristum, oder für noch höher, als Christum , gehal-ten haben. Diese kleinen Parteyen sind vielleicht sowenig beträchtlich gewesen, daß man sich die Mühenicht genommen hat, das Andenken ihrer irrigenLehrsätze der Welt aufzubehalten. Die Nachrichtender Alten sind auch von ihnen so kurz, daß manihre Irrthümer mehr errathen muß, als gewiß be-stimmen kann, und wenn sie nicht zu den Marcio-niren oder Valenrinianern gehören: so gehören siedoch unstreitig zu dem vielköpfigten Geschlechte derGnostiker.

Alle diese irrigen Haufen waren nicht alleinVerfälscher des Christenthums, sondern auch Be-trüger.