Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
232
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2Z2 Geschichte der christlichen Religion.

nischen Briefe, welche beynahe allen gnostischen Hau-fen verhaßt waren. Unterdessen misbrauchten siedoch viele Stellen der göttlichen Offenbarung zurBestätigung ihrer Lehren 5 unter dem Vorwande,daß sie den Propheten des JüdenGottcs entweder vonder Hochsien Gottheit, oder doch von einem gütigernAeon eingegeben worden wären; ein Kunstgriff, des-sen sich besonders die (Dphlten bedieneten. Baldzcrstümmelten sie die Schriften der Offenbarung,bald vcrsalscheten sie dieselben mit ihren Zusätzen;bald entheiligten sie solche durch gewaltthätige Aus-legungen , und sucheten Allegorien und Geheimnisse,wo keine waren. Welch eine Gewalt thaten nichtdie Valentinianer der Schrift an, um ihre Aeonenund drey Theile des Menschen darinnen zu finden!In der Mitte des zweyten Jahrhunderts erfanden siebesonders viele Evangclia, und Geschichte der Apo-stel. Besonders war ein gewisser Leucius, einDocet, und aller Wahrscheinlichkeit nach ein N?ar-cionir, in dieser Kunst des Betruges außerordentlichgeschickt und fertig. So viel war den Irrgläubigendaran gelegen, daß ihre Lehren nicht neu zu seynscheinen, sondern unter dem Ansehen des Alterthumsdesto leichter verführen möchten, als wenn eine alteThorheit mehr gälte, als eine neue.

In der Ausbreitung ihrer Irrthümer waren allediese verschiedenen Secten vorsichtig und verschlagen.Sie vertraueten ihre Lehren nicht einem jeden an, son-dern suchten besonders diejenigen auf, von denen sie ausverschiedenen Kennzeichen muthmaßen konnten, daßsie ihren Beyfall gewiß erhalten würden. Wer woll-te auch so wichtige und erhabene Lehren, die nurgeistlichen Menschen gehören, einem jeden Unwür-digen