2Z4 Geschichte der christlichen Religion.
selbstständigen Ausflüssen zugeschrieben werden müßte.Von eben diesen Ausflüssen leiteten sie alle Unvoll»kommenheiten der Welt und alles Elend der ver-^künftigen Geschöpfe her. Nur in der Menge undin der Geschichte dieser Ausflüsse gierigen sie untereinander ab. Jeder konnte sagen, daß sein Systemrichtige Folgen aus dem ersten Grundsalze der Gno-sis enthielte, und gleichwohl widersprachen sie sicholle einander. Wenn widerspricht sich die Wahr-heit in richtig aus ihr hergeleiteten Folgen? Wiel'am es, wenn ihre Lehrgebäude die Wahrheit ent-hielten , daß eine zwiefache einander so sehr entgegen.gesetzte Moral in gerader Linie von ihren erstenGrundlehren abstammete? Nein, cS ist nicht dieNatur der Wahrheit, sich selbst zu zerstören.
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Von den Widersachern der GottheitJesu Christi und der Dreyeinigkeitim zweyten Jahrhunderte.
» Ingeachtet die Grundsäße der meisten gnostischen
Parteyen so beschaffen waren, daß sie den Men-schen unrichtige Begriffe von der Gottheit unsers Er-lösers beybringen konnten, weil sie ihn nicht als eineselbststandige Person der Gottheit, sondern nur alseinen unmittelbaren Ausfluß derselben beschrieben:so war doch Christus bey ihnen, wenn man sich ih-ren Irrthümern gemäß ausdrücken will, unendlichinehr, als ein Mensch, und zwar mehr Gott alsMensch. Denn die meisten leugneten, daß er einewahre menschliche Natur angenommen hätte, oder
wenn