Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
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Zweyter Abschnitt» 255

wenn sie dieses nicht thaten: so machten sie doch, sozu sagen aus einem Christus zwo Personen. Daherbegegneten ihnen die Rechtgläubigen mehr als Feindender Menschheit und der Menschwerdung Jesu Christi ,als Feinden seiner Gottheit. Allein, im zweytenJahrhunderte fanden sich einige, welche die Ver-wegenheit hatten, die Ebioniten nachzuahmen, undChristum von der Würde der Gottheit zu einem ge-,meinen Menschen herabzusetzen und zu erniedrigen;ein Unternehmen, welches sie, durch eine natürlicheFolge, zur Verleugnung der Dreyeinigkeit in Gottbringen mußte.

Der Anführer dieser Verwegenen war ein Theo-'dvtns von Byzanz, ein Gerber, der in den Ge- /»'<^">?-schichtschreibern der Kirche, den Ruhm einiger Bele-senheit, Wissenschaft, und Einsicht in die schönen ^ , 'Künste hat. Er hatte, wie man erzählet, in der /.///.Verfolgung, welche die Christen unter dem Kaiser v/.AureliuS erlitten, die christliche Religion verleugnet, 5-da viele andere Christen die Wahrheit derselben mitihrem Blute bestätiget hatten. Alle Christen ver-wiesen ihm seinen Fall; und weil er ihre Vorwürfenicht aushalten, und sich doch auch zu keiner öffent-lichen Buße verstehen wollte, so floh er nach Rom :allein auch hier wurde er sehr bald als ein Abtrünni-ger vom Glauben angesehen. Er antwortete aufdie Verweise, welche ihm seines Abfalles wegen ge-geben wurden, daß er bey der Verleugnung JefuChristi nicht gesündiget hätte, weil er einen bloßenMenschen verleugnet hätte. Er behauptete also öf-fentlich, daß Jesus ein bloßer obgleich wunderbarerWeise erzeugter Mensch wäre. Diesen Irrthum zubestätigen, führte er diejenigen Stellen aus der heili,

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