Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
237
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Zweyter Abschnitt. 237

auf den römischen Bischof, Victor, ununterbro-chen gelehrt worden wäre. Zephyrin, VictorsNachfolger, sollte die Wahrheit durch die Vertheidi-gung der Gottheit Jesu Christi verfälschet haben. DerBeweis ihres Irrthums war kühn genug; abernicht wahr. Die Offenbarung zeugete an vielen Or-ten wider sie, und das Vorgeben, daß ihr Irrthumder Glaube der Kirche wäre, widerlcgeten nicht al-lein alle rechtgläubige Lehrer vor dem Zephyrtn,ein Iustinus, ein Milriades, ein Clemens, einIrenaus, ein N7eliro, und alle Märwrer, dieeher alle Martern ausstunden, als Christum nichtfür Gott hielten; sondern auch die Gebethe, welchedie Kirche an ihn richtete, und die Lobgesänge, diezu seinem Lobe in den Versammmlungen der Chri-sten gesungen wurden.

Die Theodorianer oderArtemoniten beflissensich besonders der philosophischen und mathematischen '^eo//oWissen schafren, undmisbraucheten sie zur Bestätigungihrer Irrthümer. Aus eben der Absicht sammeltensie die verschiedenen Lesarten der heiligen Schrift undverglichen sie mit einander; ja sie untersingen sich so-gar , sie unter dem Vorwande der Verbesserung zuverfälschen. Alle diese Versuche, ihre falsche Lehrezu unterstützen, dieneten vielmehr, die Wahrheit zubefestigen, als daß sie dadurch in einige Gefahr wäregebracht worden. Denn weder Theodotus, nochAsclcpiades, noch Hermophilus, noch Apollo-nius stimmcten in ihren Lesarten und Veränderungenmit einander überein; auch konnten sie überführetwerden, daß die vorgegebenen Lesarten sich in keinenalten Eremplarien, sondern nur in solchen fänden,von denen sie überzeugt werden konnten, daß sie die-selben