Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
238
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2ZZ Geschichte der christlichen Religion.

selben selbst geschrieben hätten. Warum stimmetensie nicht in ihren Eremplarien der heiligen Schriftmit einander überein? Warum hatte dieser diese,ein anderer eine andere, und zwar weit von einanderabweichende, Lesart? Sie hatten zum wenigsten inihren Veränderungen der göttlichen Aussprüche miteinander einig seyn sollen. Allein, das sind die Schick-sale des Irrthumes! Der eine steht diese oder jeneStelle der Offenbarung für einen allzustarken Be-weis wider seinen Irrthum an, und darum streichter sie aus, oder verfälschet sie; ein anderer sieht nichtso viel Gefahr für feine Lehre darinnen, und darumläßt er sie stehen. Gewiß, alle diese Künste, welchedie Irrgläubigen zur Befestigung ihrer falschen Leh-ren gebraucht haben, sind allein unüberwindlicheWiderlegungen derselben. Der Betrug ist die lehreZuflucht einer schlimmen Sache.

7?,-o^on,. Ein anderer Theodorus, der Wechsler, von^« ^"'^ Lebensart also genannt, wird unter die berühm-

^»/?. Anhänger des Theodorus, von dem nur ge-

' ' redet worden ist, gesetzt, und beschuldiget, daß erdie Irrthümer desselben mit neuen vermehret, undbesonders die Secte der Melchisedekianer gestiftethaben soll. Er hat, wie man saget, vorgegeben,Mclchisedek wäre kein bloßer Mensch, wie JesuSChristus , sondern eine himmlische Kraft, und weithöher, umso vielmehr, da er der Fürsprecher undBeystand der Engel; Jesuö hingegen nur ein Für-sprecher der Menschen wäre. Mclchisedek sollte seinerMeynung nach wirklich weder Vater noch Mutter ha-ben, und sein Anfang und sein Ende sollte unbegreif-lich seyn. Dieser Irrthum ist so beschaffen, daßman mit Wahrscheinlichkeit annehmen kann, daß

dieser