Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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242 Geschichtt der christlichen Religion.

zu trinken: so würde man an ihnen ein getreuesBild dieser Irrthümer haben. Die Grundsätze vie-ler Irrthümer sind so häßlich, daß man ihre Fol-gen verabscheuen würde, wofern man bis zu diesenGrundsätzen zurück gicnge. Allein, diese sind es eben,welche gemeiniglich vergessen, oder nicht von allen be-merket zu werden pflegen, ob man gleich ihre Folgenunter dem vorteilhaften Scheine der Wahrheit bey-behält. Was konnte mehr mit den Grundwahrhei-ten des Christenthums streiten, als der gnostischeGrundsah, daß die moralischen Unordnungen bloßin der Materie ihren Siß hätten? Die Rechtgläu-bigen sahen dieses wohl, und verwarfen ihn. Gleich-wohl verwarfen sie nicht alle seine Folgen. EineFolge dieses Grundsaßes war die Nothwendigkeitleiblicher Kasteyungen zur Seligkeit, und der einge-bildete Vorzug des ehelosen Standes vor der Ehe.Allein, man wußte es nicht, oder wollte es nicht wis-sen , daß diese beyden Lehren Folgen aus jenem irri-gen Grundsätze der Gnostiker wären. Man leug-nete die innerliche Unschuld der Ehe, und hielt siebloß aus der Ursache für zugelassen, weil ohne siedas menschliche Geschlecht nicht fortgepflanzet werde»konnte. So bald man nun diefe beyden Lehren alsneue Grundsätze betrachtete, auf welche man andereLehren aufbauen könnte: so war eine neue Keßereyfertig. Dieses ist der wahrscheinliche Ursprung dermontanistischen Irrthümer.M^./ ^ Nlonranus, dieser Stifter einer neuen Secte,^ l5war aus Phrygien gebürtig, und im Heidenthume^e.gM' hatte nachher aber die christliche Religionangenommen. Sein persönlicher Charakter bestimmetden Charakter seiner KeHerey, wenn man seinen

Irrthü.