Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
243
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Zweyter Abschnitt. 24z

Irrthümern einen so verhaßten Namen geben will. ^5,/>5«»,Er hatte einen schwermüchigen und finstern Geist, ^- 4^-eine ausschweifende Phantasie, einigen Ehrgeiz, aberdoch auch ein Herz, das den Lastern feind war.Wird man sich wundern, daß er bey solchen Eigen-schaften ein frommer, zugleich aber auch ein eiclerEnthusiast wurde? Dieses scheint in der That dasrichtigste Urtheil zu seyn, das man von ihm fällenkann, ohne die Wahrheit und die Liebe zu beleidigen.Er war ein Enthusiast; denn er beredete sich, Einge-bungen des heiligen Geistes zu haben; seine Phan-tasie herrschte so sehr über seinen Verstand, daß ersich für begeistert hielt, wenn er, wie in einer Ent-zückung, einige sonderbare Aussprüche hersagte, dieihm göttlich zu seyn schienen, weil sie unverständlichwaren, und nicht miteinander zusammen hingen«Fromm war er; denn sein paraclct vcrführete nichtzum Laster; er foderte die Menschen nur zu einer all-zustrengcn Lebensart auf, und er hatte unstreitig dieernstliche Absicht, die Sitten der Christen, welchevielleicht nicht bey allen so heilig, als im ersten Jahr-hunderte waren, zu verbessern. Aber er war aucheitel; vielleicht nicht mit einem ausdrücklichen Vor-sätze, aber doch eitel, weil er von seiner Schwär-merei? nicht zurück kam, sondern sich durch den Bey-fall, den er fand, immer mehr zu der Einbildunghinreißen ließ, daß er ein Prophet wäre. DerGeist der Schwärmer«) ist fast allezeit ansteckend,und das weibliche Geschlecht ist nicht selten diesemUebel unterworfen. Eine priscilla und eine Ma-ximilla fingen auch an, zu iveißagen; und da sienicht allein von einer edlen Herkunst, sondern auchreich waren: so fanden sie leichc Glauben. Eine so

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