Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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244
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244 Geschichte der christlichen Religion.

wunderbare Gewalt haben die Reichthümer, daß sieauch Aussprüche, in denen vielleicht nicht Menschen-verstand genug ist, vergöttern können! ObgleichNlontan, priscilla und Marimilla, und ihre An-Hanger bey den asiatischen Bischöfen Widerspruchfanden, und aus der Kircheiigcmeinschaft von ihnenausgeschlossen wurden: so wurden sie doch sehr baldso stark, daß sie eine eigene Gemeine ausmachen konn-7'«,-/»//. ?'» ten. Sie verführeten sogar den Bischof in Rom,Victor, sie zu seiner Gemeinschaft zuzulassen, undihnen Briefe zu ertheilen, durch welche andere christ-liche Gemeinen ermahnet wurden, ihnen den Kir-chenfrieden nicht zu versagen. Allein, dieser Vortheilwurde ihnen durch den prareas, von welchem wirnur geredet haben, bald wieder genommen, und dasie sich von allen rechtgläubigen Gemeinen im Orienteund Occidente aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossensahen: so richteten sie überall, wo sie konnten, ihreeigenen Gemeinen an, und unterschieden sich von denRechtgläubigen, welche sie Fleischliche nannten,durch den stolzen Namen der Geistlichgcsinneren.Allein, wer weis, ob der Irrthum des Monranusso große Unruhen in der Kirche erreget hätte, wennim Anfange gegen diesen Irrenden von den asiati-schen Bischöfen alle mögliche Vorsicht und Mäßi-gung gebraucht worden wäre. Einen Menschen fürbesessen zu erklären, der sich für einen Prophetenhielt, das war gewiß kein Mittel, ihn von seinemIrrthume zurück zu bringen.

Die Montanisten leugneten keine Grundwahr-heiten des Christenthums. Sie hatten eine Taufe,einen Gott, einen Erlöser, einen heiligen Geist, und. ein Abendmahl mit den Rechtgläubigen. Sie irre-

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