246 Geschichte der christlichen Religion.
Gründen, aus welchen die Vater der nachfolgendenZeiten die zweyte Ehe zwar nicht untersageten, aberdoch abriethen. Das ehelose Leben wurde für dasgrößte Verdienst eines Christen gehalten. Sichzmeymal dieses Verdienstes zu begeben, war das nichtin den Augen eines schwermüthigen Geistes ein deut-licher Beweis eines wollüstigen Herzens, und eineroffenbaren Verachtung der größten unter allen Tu-gcnden? Für eben so unerlaubt, als die zweyten Ehen,erklärete er die heimlichen Verbindungen, welche derKirche nicht waren bekannt gemacht worden. DieAbsicht davon kann löblich gewesen seyn. Was fürUnheil richten nicht oft Verbindungen an, welche we-der öffentlich bekannt gemacht, noch öffentlich vollzo-gen werden?
Was endlich die Standhaftigkcit in Verfolgun-gen anbetraf: so übertrieben die Montanisten dieseTugend. Sie erklareten sowohl die Flucht in Ver-folgungen, als auch die Gewohnheit, sich durch Ge-schenke von denselben loszukaufen, für einen wirkli-chen Abfall von der Religion. Sie blieben also wi-der die deutliche Erlaubniß Jesu Christi nicht alleinan denen Oertern, wo sich Verfolgungen wider dieChristen erhuben, sondern sie waren nicht einmal soklug und vorsichtig, daß sie ihre Versammlungen inder Stille gehalten hätten. Sie troßeten gleichsamden Heiden, und reizten sie dadurch zu einer größernWurh. Sie lassen sich vielleicht hierinnen entschul-digen, zumal darinnen, daß sie die Freyheit vor denVerfolgungen nicht mit Geschenken erkaufen wollten.Vielleicht sahen sie diese Geschenke für eine stille Ein-willigung in die Forderungen der Heiden an , und sieHlanbeftn, daß man nicht allein seine Wter, sondern