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Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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-IO Geschichte der christlichen Religion.

Strenge der Kirchenzucht nachließen ; daß hier und dader Eifer unter den Christen heilig zu wandeln erkal-tete ; daß ihn die Montanisten durch ihre strengeDisciplin, die er so sehr liebste, blendeten; endlichdaß er beleidiget wurde: so wird uns sein Abfallvon der Kirche, wofern dieser Ausdruck weder zugelinde noch zu hart ist, ganz begreiflich und natür-lich vorkommen. Seine Abhandlung von derGchamhaftigkeic, seine Schrift von der Mono«gamie, seine Ermahnung zur Keuschheit, undHeine Abhandlung von dem Lasten, sind die vor-nehmsten Arbeiten, welche er für die Montanistenübernommen hat. Es ist wahr, daß er das Meistezur glücklichen Aufnahme dieser Partey beytrug. Aberman muß auch anmerken, daß man in seinen eige-nen Werken, in denen nämlich, welche er vor sei-nem Uebertritte zu denselben geschrieben hat, dasnöthige Gegengift antreffe. Er schrieb zwar schon,ehe er noch ein Montanist wurde, an seine Fraueine Ermahnung, daß sie nicht wieder heirathensollte, im Falle daß er stürbe. Allein, er untersagteihr doch die Ehe nicht als ein Verbrechen; er ricth ihrvielmehr, daß sie, wofern sie ja nach seinem Todewieder zu heirathen gedachte, nur mit keinem andern,als mit einem Christen sich verehligen sollte.

Eine Ursache, warum diesen Irrenden von denRechtgläubigen so hart begegnet wurde, war ihrebesondere Kirchenverfassung in Ansehung ihrer Leh-rer. Die Bischöfe, welche für Nachfolger der Apo-stel, und also für die ersten in der Kirche gehaltenwurden, und sich deswegen schon besondere Vorrech-te-vor andern Kirchenbedienten zugeeignet hatten,waren bey den Montanisten die letzten. Erst ka-men