Part 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Place and Date of Creation
Page
285
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Zweyter Abschnitt. 285

den bösen Geistern zu thun gegeben haben. Fastalles Unglück, das den Menschen betreffen konnte/ward ihnen zugeschrieben; sie konnten sogar Donnerund Ungewitter verursachen. Der Aberglaube vonden Gespenstern und von der Gewalt der Zaubererund Zauberinnen über die Hölle und ihre Geister,welcher die christliche Welt so lange geschrecket hat,führet seinen Ursprung bis zu den Zeiten hinauf, wodie neuern piatoniker alle Unordnungen in derWelt von dem Einflüsse der Dämonen in dieselbenherzuleiten pflegeten.

Die alcxandrinische Philosophie verfälschet«nach und nach die christliche Lehre von dem Falleund dem Verderben des Menschen. Die neuenplaroniker redeten auch von einem Falle der mensch-lichen Seelen; sie verstunden aber darunter ihreNeigung zur Materie. Sie sucheten daher mit denGnostikern die Ursache aller sittlichen Unordnungenin der Materie. Zugleich aber behaupteten sie, daßder menschliche Wille noch Kräfte genug hätte, sichvon diesem Falle aufzurichten, und zur Gottheit hin-auf zu steigen, wofern er sich nur entschlösse, sich vonder Materie loszureißen. Sie schrieben daher die La-ster mehr der Nachläßigkeit und Trägheit, als dervölligen Unlüchtigkeit des Menschen zum fönten zu.Man brauchet nur ein wenig mit den Kirchenvätern,welche vor den Zeiten des pelagius gelebt haben,bekannt zu seyn, wenn man sich überzeugen will, daßdiese Irrthümer unter die Wahrheiten der christli-chen Religion sehr bald aufgenommen worden sind.Man braucht nur mit den Schriften des Chrysosto- S. Chry-mus bekannt zu seyn. Dieser so große Lehrer leitet solk. kleinefast alle Laster aus der menschlichen Trägheit her, S^'""