286 Geschichte der christlichen Religion.
X. Th. in und er scheint fast kein anderes natürliches Verde»der Ab- ben zu kennen, als die Schwachheiten und Unordnun-handl. von jn menschlichen Körper, welche durch denFall unserer Stammaltern auf alle Menschen fortge-Klrchenva- pflanzet worden sind; daß also die Irrthümer desters« ^elagius von der göttlichen Gnade und den natür-lichen Kräften des Menschen nach dem Falle fast auskeiner andern Quelle hergeleitet werden dürfen, alsaus den Irrthümern der neuern platoniker.
Man weis aus der vorhergehenden Betrach-tung , daß sich schon vor dem Ursprünge dieser neuenWeisheit mehr als ein gnostischer Irrthum in diechristliche Sittenlehrc eingefchlichen habe. Der Un-terschied zwischen vollkommenen und unvoll-kommenen Menschen, und zwischen einer hö-hern und niedrigern Frömmigkeit, der eingebil-dete Vorzug des cheloftn Standes vor der Ehe,die tVürde willkührlicher HVerke der Gottse-ligkeit, die Heiligkeit des asketischen Lebens,welches in der F^'.ge die Klostergelübde, und so urt-zahlbare Orden von Mönchen und Nonnen gebahr,alles das war in seinem Ursprünge gnostisch. Allediese Irrthümer in der Sittenlehre wurden durch dieGrundsahe der neuern platonischen Philosophie befe-stiget. Man weis, wie fruchtbar falsche Meynun-gen zu seyn pflegen. Sie waren Ursache, daß derrichtige Begriff von der Buße und Bekehrung ver-dunkelt wurde. Kaum wurde diese Lehre nicht mehrin ihrer ursprünglichen Reinigkeit den Christen vorge-tragen : so wurden der vollgültigen GenugthuungJesu Christi menschliche Genugthuungen an die Seitegesetzet. Man harte in den ersten Zeiten des Chri-stenthums von den Menschen außer einer aufrichtigen
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