Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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Seite
288
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288 Geschichte der christlichen Religion.

Tode. Jesus und seine Jünger hatten gelehret, daßdie Seelen der Heiligen nach ihrer Auflösung vondein Körper gleich in die Sitze der Seligen aufge-nommen würden, die Geister der Ungläubigen aber,wenn sie ihre Leiber verließen, an den für sie bestimm-ten Ort der Quaal kämen. Diese Wahrheit wardeutlich offenbaret. 'Allein, nachdem die Christen inder Lehre der neuern Platoniker, daß die Seelen derHelden nach ihrem Tode sich in die Hohe erhüben;die andern aber von der Last ihrer Begierden nieder-gedrücket würden, und nicht eher zum Lichte gelan-getcn, als bis sie von diesen Unreinigkeiten frey wa-ren , mehr Wahrheit als Irrthum zu finden glaub-ten: so kam die Meynung unter den Christen auf,daß allein die Märtyrer selig genannt zu werden ver-^«^«^. </e dieneten. Seitdem wurde den übrigen Seelen eint/v. gewisse finsterer Ort angewiesen, wo sie bis zurc. Ankunft Jesu Christi bleiben, und indeß erst,

ich weis nicht, durch was für ein Feuer ganz gerei-niget werden sollten. Hier ist der Ursprung desLim--' bus, in welchem sich die Vater des alten Bundesbis auf die erste Ankunft Jesu Christi aufgehaltenhaben, und die ungecauften Kinder der Christen künf-tig noch aufhalten sollen. Hier ist auch der wahreUrsprung des Fegefeuers, durch welches, wie noch jtztvon einer großen christlichen Gemeine gelehret wird,alle diejenigen gehen müssen, die ihre Sünden indieser Welt nicht genug gebüßet haben. Was fürneue Irrthümer, was für unnütze Ceremonien, wasfür abergläubische Lehren hat nicht dieser in die christ-liche Religion aufgenommene platonische, und wiewir bald sehen werden , vom Origenes noch mehrausgebreitete und befestigte Irrthum gebohren!

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