Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

S94 Geschichte der christlichen Religion.

gar im Occidente so weit ausbreiten können, da dochder Orient ihr eigentliches Vaterland war.

Und gesetzt, die Liebe der christlichen Gelehrtenzur jüngern platonischen Philosophie hatte keinemeinzigen Irrthume derselben den Weg in die Religionaufgeschlossen: so war schon das dem Christenrhumenachtheilig genug, oaß sie bey dem Vortrage der Ge-heimnisse desselben so oft Ausdrücke au6 dieser Schulebrauchten, welche sehr große Irrthümer veranlassenkonnten. Behaupteten sie wider die Götzendienerdie Einheit Gottes: so redeten sie fast, wie die Sa-lxllianer, von denen wir gleich reden werden, undstritten sie wider die Gabellianer und Arriancrfür die Dreyeinigkeit: so redeten sie nicht anders, alswenn sie drey Götter glaubten, oder sie brauchtendieses Geheimniß zu erläutern, Gleichnisse, durchwelche die jüngern placoniker ihre von der christli-chen unendlich verschiedene Dreyeinigkeit verständli-cher zu machen suchten. So gewiß ist es, daß wir«on Wahrheiten, die wir bloß durch eine göttlicheOffenbarung wissen können, in keinen andern Aus-drücken und Gleichnissen reden sollten, als in solchen,welche Gott selbst gebraucht hat. Denn wer kannberedter, verständlicher und deutlicher reden, alsGott?

Die morgenländische Philosophie war im erstenund zweyten Jahrhunderte sehr fruchtbar an irrgläu-bigen Secten. Sie war noch fruchtbar im drittenJahrhunderte, wie wir bald an der Secte der Al^ccsairen und Manichäer sehen werden. Auch er-hielten sich die schon vor langen Zeiten entstandenenirrigen Gemeinen »och immer fort, ob sie gleich nachund nach sehr viel von ihrem erste!-. Ansehen verloren.