Zweyter Abschnitt.. 295
Die neus platonische Philosophie war ebenfassseine nicht unfruchtbare Mutter und Säugamms vie-ler irrgläubigen Seelen im dritten Jahrhunderte, undin den darauffolgenden Zeiten, wiewohl dieses nichti» dem Verstände genommen werden muß, als wen»sie die einzige Ursache derselben gewesen wäre. Sogefahrlich ist die Vernunft, wenn sie einmal auf ei-nen Irrweg gerathen ist, und durch die Eitelkeit oderandere Leidenschaften verhindert wird, ihre Entfer-nung von dem richtigen Wege zu erkennen! Mankennet nun schon so manchen Irrgläubigen: Allein,man wird auch aus ihrer Geschichte deutlich gesehenhaben, daß an ihren Irrthümern mehr die Verfüh-rung ihres eigenen Herzens, als der Verstand diswahre Ursache gewesen sey.
Doch He wir von dieser Betrachtung, daß dieneuere platonische Philosophie dem Christenthumsso nachtheilig gewesen sey, zu einer andern fortgehen:so wollen wir noch bemerken, daß sie, aus einem an-dern Gesichtspuncte betrachtet, die Wahrheit eben derReligion bestätige, welche sie stürzen sollte. Ammo ->mus, und im dritten Jahrhunderte porphyrius,Iamblichius und andere platonikcr, waren diescharfsinnigsten Feinde der Christen. Und dennochsahen sie sich von der Gewalt der Wahcheit zu demBekenntnisse gezwungen, daß Jesus wirklich dieWunder gethan hätte, welche seine Bckenncr vonihm erzähieten. Eben so sahen sie sich gezwungen,einige Ehrfurcht für seine Person zu bezeigen, weilsie glaubeten, daß sie niemand für so wciseLeute hal-ten würde, als sie zu seyn scheinen wollten, wennsie ihm eine Ehre rauben wollten, die so sehr bestä-tiget war. Und was für ein überzeugender Beweis