Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
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296 Geschichte der christlichen Religion.

für die Güte und Hoheit unserer Religion ist nichtihr unternommener, aber fruchtloser und unglücklicherVersuch, das Heidenthum durch eine sowohl kühneals elende Nachahmung des Christenthums heiligerund ehrwürdiger zu machen? Erwagt man dieses:so muß man sehr wenig wissen, was vernünftig übereine Sache urtheilen heißt, wofern man nicht überdie Unverschämtheit der neuern Feinde des Christen-thums erstaunen will. Denn ein Collin, Ü)ool-ston, und andere, welche diesen nicht einmal an dieSeite gesetzet werden dürfen: weil sie ihnen nur anVerwegenheit, nicht aber an der Scheingelehrsam-keit und erträglichen Schreibart gleichen, und die,welche von ihm die Verspottung der Religion gelernethaben, treiben ihre Feindschaft gegen unsern Erlösernoch viel weiter , als ein Celsus oder Iamblichius.Diefe neuen Porphyre, wenn sie anders so stolzseyn und auf einen solchen Namen Anspruch machendürfen, treten nach siebzehnhundert Jahren auf, undwollen einem Jesus, von dem sie, gesetzt, daß auchseine Religion nicht mit so vielen unüberwindlichenBeweisen bestätiget wäre, als weise Leute wo nichtmit Furcht und Zittern, zum wenigsten doch mitZurückhaltung und Bescheidenheit urtheilen sollten,nicht einmal den Ruhm eines klugen und ehrlichenMenschen lassen, sondern unterstehen sich, wenn eseinem Christen erlaubt ist, auch mit Abscheu solcherLasterungen zu gedenken, ihn zum Gaukler und Be-trüger zu machen; sie, die einen jeden Heiden, dersich nur einigermaßen merkwürdig gemacht hat, überdie Wolken heben und vergöttern. Sie können ge-wiß die Heiden und ihre Priester, welche das Chri-stenthum gleich in seiner Geburt durch die grausam-sten