ZO4 Geschichte der christlichen Religion.
an welchen die Morgenländer einen Geschmack fan-den. Er war ein Philosoph, ein Sternseher, undein Maler. Er war mehr ein kühner Theorist, derallzusehr an seinen philosophischen Einfällen hing,als ein Schwärmer oder vorsetzlicher Betrüger. Ei-nige Geschichtschreiber lassen ihn vor der Ausbreitungseines Lehrbegriffes das Amt eines Presbyters in derKirche verwalten. Man würde sich den Verdachtder Ungerechtigkeit nicht ohne Grund zuziehen, wennman sich zum Anklager seiner Sitten aufwerfen woll-te. Alles, was man von seinem moralischen Charak-ter mit Gewißheit sagen kann, läuft darauf hinaus,daß er grausam mit seinem Körper umgegangen sey,und aus einer Eitelkeit^ vor der sich die wenigst-nbewahren, welche sich durch ihre Scharfsinnigkeit-und Gelehrsamkeit über die Sphäre gemeiner Gei-ster erheben, seine Meynungen für unfehlbar gehal-ten habe. Er starb eines gewaltsamen Todes, undes ist am wahrscheinlichsten, daß er ein Märtyrerseines LehrbegriffeS geworden sey. Er hinterlichschriftliche Denkmaale seines verirrten Verstandes,von denen die Zeit nur sehr kleine Ueberbleibsel er-halten hat.
Mani scheiterte an einer Klippe, an welcher schonalle Philosophen der Heiden, und besonders die Gno-stiker, Schiffbruch gelitten hatten. Er wollte derVernunft den Ursprung des moralischen Uebels be-greiflich machen, ohne den Willen des Menschen alsdie Ursache desselben anzugeben. Er sah, daß es un-gereimt wäre, Gott für die wirkende Ursache allerder UnVollkommenheiten zu halten, die in der W?ltwahrzunehmen waren. Wenn er den gnostischenLehrbegriff von dem Ursprünge der Welt gekannt
hat,