Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
306
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ZO6 Geschichte der christlichen Religion.

Allein, er vermuthet die Frage nicht, woher denn dieVermischung dcS Guten und des Bösen komme. Hierverläßt ihn seine Vernunft, und er sieht sich gezwungen,zur Beantwortung der Frage, wenn die Vermischungdes Bösen und deS Guten in der Welt ihren Anfanggenommen habe, seine Phantasie zur Hülfe zu rufen.Der Philosoph höret auf zu sprechen, und der schwül-stige Morgenlander redet von einem Einfalle derMaterie in das Reich des Lichtes; von einem Kam-pfe des gütigen Grundwesens mit dem Bösen; voneinem guten Geiste, oder einem ersten Menschen,den das gute Wesen gleich nach der Gewaltthätig-keit seines Widersachers herabgesandt haben soll, wi-der die Finsterniß zu streiten; von der Seele, die erin diesem Kampfe in der Materie zurücklassen müs-sen; von einem lebendigen Geiste, welcher dem er-sten Menschen zum Beystande geschickt werden muß-te, von den Gestirnen, welche dieser aus den übrig-gebliebenen Seelen erschaffen haben sollte; vonSchiffen, auf welchen die Menschen in die Oberweltgelangen können, und von andern solchen Träumen.Man betriegt sich, wenn man diese Träume für sinn-reiche Vorstellungen schwerer philosophischer Sätzehalt. Sie sind gewiß nichts weiter, als ein ver-blümtes Geständniß, daß Mani die Vermischungdes Guten und des Bösen in der Welt nicht erklä»ren könne. Und wenn man ihn auch noch so etwasVernünftiges dadurch sagen lassen will: so kann esweiter nichts, als der Saß seyn, daß Gott einmalaus einer unbekannten Ursache für gut gefundenhabe, die Seele, ein himmlisches Wesen, mit derMaterie zu vereinigen, und dadurch die Schöpfungder Welt zu Stande zu bringen. Unterdessen fand

Mani