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Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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ZvZ Geschichte der christlichen Religion.

verstoßen hat, desto eher wieder zerstöret werdenmöge. Man mag die Schöpfung und den Ursprungder Welt erklären, wie man will, wofern man dieMaterie für den Sitz des Uebels hält: so muß manausweine solche Sittenlehre geführct werden.

In allen diesen Säßen fand die Vernunft desMan: nichts anstößiges. Er beredete sich, daß Gottnicht besser gerechtfertiget werden könnte, als durchdieses System, obgleich sein guter Gott sehr ohnmäch-tig oder unvorsichrigseyn mußte, daß ihm sein Wider-sacher einen Theil seines Lichtes rauben konnte, und zu-gleich nicht sehr gütig gegen die Seelen, daß er ihreFortpflanzung in menschlichen Körpern nicht verhin-derte. Genug, der Philosoph glaubte, den Schlüssel zueinem Geheimnisse gefunden zu haben, das noch nie-mand aufgeschlossen hatte. Mani ward ein Christ,aber ein solcher, der seinen Vorurtheilen getreu bleibenwollte. Die christliche Sittenlehre redete vom Tödtendes Fleisches, vom Betäuben des Leibes, von der Kreu-zigung der Lüste, von Armen, die der Erlöser seliggesprochen hatte, von der Keuschheit und andernPflichten, die auf die Beherrschung deö Körpers ab-zielen. Dieses schien dem N7am so sehr mit seinenGrundsähen überein zu kommen, daß er kein Be-denken trug, Christum für denjenigen zu halten, dervon Gott gesandt worden wäre, die Welt von diesenWahrheiten zu unterrichten. Die Wunder, dievon ihm auf der Erde verrichtet worden waren, undein unstreitiges Ansehen hatten, bekräftigten ihn inseinem Glauben. Allein, die evangelischen und apo-stolischen Schriften enthalten so viele Stellen, welcheseinem Systeme offenbar entgegen sind? Jesus hatdie menschliche Natur angenommen; er ist selbst von,, einer