Zweyter Abschnitt. 309
einer Jungfrau gebohren worden; er hat gelitten;er ist gestorben. Wenn das wahr ist: so muß dermenschliche Körper an sich so böse nicht seyn. DieSchriften der Apostel verheißen uns eine Auferste-hung unferer Leiber; sie beziehen sich auf die Schrif-ten des alten Bundes, und diese versichern, daßGott vormals den Juden für den Gehorsam gegensein Gesetz viele irdische und sinnliche Glückseligkeitenversprochen habe. Wenn das alles wahr ist: somuß die Materie so schlimm nicht seyn, als der Phi-losoph meynet. Auf wessen Seite soll nun die Wahr-heit seyn? Auf der Seite des Mani, oder sollen dieApostel mehr Glauben finden? Eigentlich solltenfreylich die Apostel glaubwürdiger seyn: allein in demFalle hatte der Theorist sein System vergeblich auf-geführet. Was flw ein Verlust für einen scharfsin-nigen Mann! Eine übertriebene Gefälligkeit derMenschen gegen ihre eigenen Gedanken ist der ge»wohnlichste Weg, die Wahrheit entweder zu ver-werfen, oder zu verfalschen. Mani erfand alsoAusflüchte wider die Zeugnisse der apostolischenSchriften. Er behauptete, daß sie verfälscht wor-den waren, und daß Christus nur ein Mensch zuseyn geschienen hätte. Der Sohn Gottes, sagteTurbo, ein Schüler des Mani, kam und nahmdie Gestalt eines Menschen an. Er zeigte sich denMenschen, als ein Mensch, ob er gleich kein Menschwar, und diese hielten ihn auch für einen gebohrnenMenschen. Er hatte freylich am Kreuze gehangen:allein es war keine wahre, sondern nur eine sinnbild-liche Kreuzigung gewesen. Er hatte uns dadurchdie Wunden unserer Seele zeigen, und uns lehrenwollen, wie wir uns von den Banden der Materie
U z los-