Zweyter Abschnitt. ziz
genug hat, seine Seele selbst für häßlich zu halten,muß freylich nicht eben ein großer Verbrecher seyn:Aber ist er deswegen auch ein Heiliger vom Range?Ist derjenige, der seinen Willen für ganz unschuldigansieht, und die Ursache seiner lasterhaften Ausschwei-fungen allein in der Materie suchet, nicht eilel? Undkann der Stolze ein tugendhafter Mann im streng-sten Verstände genannt werden? Wenn es gewiß ist,daß der Werth aller Tugenden von dem Werthe derAbsichten und Bewegungsgründe abhangt: so wirdman gegen die manicbäische Tugend wenig Hoch-achtung haben müssen. Eine jede Gewaltthätigkeit,welche der Manichaer an seinem Körper begeht, istein Opfer, das er nicht Gott, sondern seinem Hoch-muthe bringt. Er verdanket seinem Erlöser nichts, alsden Unterricht, wie er sich von seinem Körper losreißensoll. Die Demuth, die einer jeden edlen Handlungerst die größte Schönheit ertheilet, mangelt ihm.Wenn er in Laster verwickelt wird: so ist solches seinUnglück, und nicht seine Schuld. Wer hat wohl einRecht, unsere Bosheit uns zum Vorwurfe zu machen,wenn die unglückselige Seele wider ihren Willen inden Kerker des Leibes verschlossen wird, und von sei-ner tyrannischen Gewalt zur Sünde gezwungen ist?Wer kann einer so traurigen Nothwendigkeit entflie-hen ? Diese Folgen des manichaischen Lehrbegrif-fes waren ohne Zweifel Ursache, daß der Vortragder Rechtgläubigen wider diese Secte so heftig war.Wenn man gegen den Beklagten billig seyn muß: somuß man es nicht weniger gegen den Kläger seyn.
Die Irrthümer der Noerianer, Sabellianerund Samosarenianer waren von einer andern Art.Sie nahmen die meisten Lehren des Christenthums
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