Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
312
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zi2 Geschichte der christlichen Religion.

turel der Morgenländer; die Menge irrgläubigerParteyen, welche ihre falschen Lehrbegriffe aus ahn-lichen Quellen herleitete»; die Hochachtung, woreinsich 5Nani durch sein strenges Leben, durch seine Ge-lehrsamkeit und Beredsamkeit geseht hatte; derMangel einer ordentlichen und richtig bestimmtenVernunftlchre, und vornehmlich die Neigung derMenschen, solche Lehrsätze begierig anzunehmen, wel-che ihrem verderbten Herzen schmeicheln.

Mani ist hier mit seinem Lchrbcgriffe und seinerSecre so vortheilhaft abgebildet worden, als es nurdie Wahrheit zugelassen hat. Es ist eine wahre undder Menschlichkeit ganz unanständige Grausamkeit/in einem jeden Irrgläubigen einen Narren, Betrü-ger, und Ruchlosen zu finden. Dieser Perser hatdas Unglück gehabt, seines Irrthums wegen für al-les dreyes gehalten zu werden. Selbst in einesMosheims Abbildung, welcher doch mit der mensch-lichen Schwachheit so viel Mitleiden hat, ist er nichtviel besser, als ein Unsinniger, gezeichnet, und einVeausobre, welcher sich doch seiner so sehr annimmt,und in seinen ungereimtesten Lehrsätzen etwas Ver-nünftiges zu finden weis, erkläret ihn für einen über-wiesenen Betrüger. Das gelindeste Urtheil ist ge-meiniglich in der Geschichte das sicherste. Er warein übelangeführter Philosoph, der seiner Vernunftund Phantasie zu viel Rechte einräumte, und mit demVerderben des menschlichen Willens nicht bekanntgenug war. Man kann also Yen Mani entschuldi-gen. Allein, man sündiget auch nicht, wenn man sei-nen Lehrbegriff für keinen bloß theoretischen Irrthum,für keine bloß speculativische Ausschweifung des Ver-standes hält. Ein Mensch, der noch nicht Muth

genug