Zweyter Abschnitt. 329
lassen daher große Irrthümer. Die Klrchenbußegereichte nach und nach den Gefallenen nicht bloß zurBeschämung und Besserung; sondern oft auch zuröffentlichen Beschimpfung. Darum weigerten sichsehr viele, besonders in der Verfolgung des Decius,sich den Kirchenstrafen zu unterwerfen. Denn manwürde gewiß zu hart urtheilen, wenn man glaubenwollte, daß sich alle Gefallene der Unterwürfigkeitgegen die Kirchenbuße, bloß aus einem völligen Man-gel aller wahren Reue über ihre Sünden, geweigerthatten. Sie sucheten daher die Vorbitten der Mär- H-/>?.tyrer, und diese waren aus Eitelkeit, von welcher"^ Ne»-.auch die Heiligsten nicht allezeit rein sind, allzufrcy-gebig und verschwenderisch mit ihrer Fürsprache.Die Bischöfe, besonders in Africa und in Rom,wollten diese Vorbitten nicht annehmen, weil ihneneine allzugroße Nachsicht gegen schwere Verbrecherden Verfall der Kirchenzucht zu dräuen schien. Die-jenigen nun, welchen diese Fürsprache der Märtyrernichts half, legten den Bischöfen ihr Verhalten alseine Verachtung derjenigen aus, welche ihr Leben fürdie Religion Jesu Christi aufopferten, und diese wa-ren so schwach, daß sie sich durch betrügerische Lob-sprüche und falsche Vorstellungen wider die Bischöfeaufbringen ließen. So entstund denn der Streitüber die Nothwendigkeit der Kirchenbuße zur Auf-nahme in die Gemeinschaft der Gläubigen, in wel-chem sowohl von den Märtyrern, als auch von demcarthaginensischen Bischöfe, dem Cyprianus, einemheftigen Redner, viele hitzige Briefe geschrieben wur-den. Dieser Streit schlug in der carthaginensischenGemeine zu einer öffentlichen Trennung aus. Z7!o-varus, ein Presbyter in Carthago, welcher von sci-
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