Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
336
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ZZ6 Geschichte der christlichen Religion.

aufzubewahren? Und gesetzt, daß sich die Reueeines Menschen über seine Ausschweifungen nicht al-lein durch eine öffentliche und vollkommene Aende-rung des Lebens, sondern auch durch solche willkühr-liche Kennzeichen äußern müßte: so müßten dochdieselben nicht als wirkende Ursachen der göttlichenBefriedigung über ihn, sondern nur als Bedingun-gen der Vergebung angesehen werden. Man könntevielleicht den Tercullianus und seinen Bewunde-rer, den (Lyprianus, entschuldigen: man könntenämlich sagen, daß sie unter der Genugthuungdurch Büßungen nichts anders verstanden hatten,als eine Verbindlichkeit, die Reue des Herzens auchdurch äußerliche Merkmaale zu erkennen zu geben.Allein, würde eine solche Entschuldigung wohl völ-lig gegründet erfunden werden, wenn man erwä-gen wollte, was die mit so großem Beyfalle unterden christlichen Lehrern angenommene Philosophie derplaroniker für Begriffe von den Mitteln, sich mitder Gottheit zu vereinigen, schon in der Kirche aus-gebreitet hatte? Gesetzt aber, daß man auch mitdieser Ausflucht diese großen Lehrer der Kirche vondem Verdachte des Irrthumes rettete: so bliebe dochdas immer eine gegründete Klage, daß sie durch ih>re unbestimmten und übertriebenen Ausdrücke vonder Buße die Unverständigen verführet hätten, un-ter ihrer Genugthuung durch die Unterwerfung ge-gen Kirchenstrafen eine wirkliche, wahre, und eigent-liche Genugthuung zu verstehen, weiche zureichendist, den göttlichen Zorn zu besänftigen. DieserIrrthum schwächet die Ehrfurcht, das Vertrauen,die Liebe und die Dankbarkeit gegeii den Erlöser.Wenn man sich einbildet, selbst genugthun zu kön-nen: