Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
337
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Zweyter Abschnitt. 337

nrn: so empfindet man so sehr nicht, wie unschäß-bar die Genugthuung und Gnade eines andern sey.Man wird vielleicht sagen; welche Zeiten haben un-ter den Christen einen größern Eifer in der Ehrfurcht,in dem Vertrauen, in der Liebe und in der Dankbar-keit gegen den Heiland gesehen, als Terrulüansund Cyprians Zeiten? Also können wohl eben dieseZeiten eines solchen Irrthumes nicht beschuldiget wer-den. Dieser Einwurf, so scheinbar er auch scnnmag, entscheidet nichts für den Cyprianus und sei-ne Zeitgenossen, weil derMensch nicht allezeit, wenner sich in einem Irrthume verwickelt, auch die Fol-gen desselben annehmen muß. Man hat ja schonBeyspiele genug gesehen, daß er oft Grundsätze an-nimmt, und doch ihre natürlichsten Folgen leugnet.Es kann zugegeben werden, daß der falsche Begriffvon der Genugthuung, welcher durch den Streitüber die Schulvigkeic der Gefallenen, sich der Kir-chenbuße zu unterwerfen, entweder veranlasset odervielmehr bestärket wurde, nicht gleich im Anfangedas Verdienst des Erlösers erniedrigte. Er waraber doch der Grund von den Indulgencien dernachfolgenden Jahrhunderte. Hatte die Kirche dieMacht, den Sündern die Genugthuung vorzuschrei-ben , die sie Gott leisten sollten: so harre sie auch dieMacht, ihnen die vorgeschriebene Genugthuung un-ter gewissen Bedingungen zu erlassen. So schloßman, und nachdem dieser Irrthum durch die oicraco-lische Gewalt der Bischöfe unter die geoffenbartenWahrheiren aufgenommen worden war, und sichmit dem halb gnostlfthen, halb platonische,, Irr-thume vereiniger hacre, daß alle Seelen der Men-schen , weiche in dem gegenwärtigen Leben nicht voll-II. Theil. kommen