Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
339
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Zweyter Abschnitt. 339

schuldiget, daß er den Gefallenen alle Hoffnung zurSeligkeit abgesprochen habe. Er behauptete bloß,daß es nicht bey der Kirche stünde, denen Verge-bung zu ertheilen, welche die Religion verleugnet,oder andere so ungeheure Verbrechen begangen hat-ten. Er verlangte, daß man sie zwar nicht in dieKirche wieder aufnehmen, sie aber doch zur Büß.'ermähnen, und sie bloß der Gnade Gottes überlas-sen sollte. Novarians Irrthum erschütterte keineeinzige Wahrheit der christlichen Religion. Wennseine Kirchenzucht gleich zu strenge war: so trieb siedoch keinen offenbar zur Verzweifelung, wofern eswahr ist, daß die Vergebung der Sünden und diedarauf gegründete Seligkeit nicht von der Gewaltder Kirche, sondern von Gott abhängt. Die Kir-che sollte freylich offenbare Verbrecher von der Ge-meinschaft am Altare ausschließen. Allein, werhatte ihr die Macht ertheilet, diese Ausschließung zueiner Kirchenstrafe für die Bußfertigen zu machen,und sie nach Gefallen zu verlangern und abzukürzen?Die Anhänger des Cornelius irreten sowohl, alsdie Novarianer. Beyde thaten unrecht, daß siesich über Meynungen Irrgläubiger schalten, überwelche sie uneins seyn konnten, ohne den Grunddes Glaubens zu verletzen. Die wahre Ursache die-ser schädlichen Trennung lag also in dem Stolze bey-der Bischöfe. Sie wollten beyde herrschen. Manbeschuldiget die Novatianer noch anderer Irrthü-mer. Die Beschuldigungen sind vielleicht in Anse-hung der spätern Anhänger des LTlovacus nicht un-gcgründet: allein, er selbst ist gewiß unschuldiger, alsihn Cornelius und Cyprianus beschreiben. Erwurde vom ganzen Oriente und Hccidente von der

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