Z42 Geschichte der christliche!? Religion.
Kirche Jesu Christi gehöreten; denn ohne Einschrän-kung war solches sowohl von den Bischöfen, als vonihren Gemeinen irrig und falsch. Im zweytenJahrhunderte wurde dieser unbestimmte Begriff vonder Einheit der Kirche vielmehr erweitert und aus-gedehnet. Zu der einzigen wahren Kirche gehören,oder mit der Gemeine Jesu Christi vereiniget seyn,das hieß in der Vereinigung mit den Bischöfen dergrößern Gemeinen stehen, welche die christliche Re-ligion zuerst angenommen hatten. Alsdann warman erst ein lebendiges Glied an dem geistlichen5«^'. jejbe Jesu Christi . Man sah nunmehr die sogenann--5- ten apostolischen Gemeinen, oder diejenigen Kir-chen, welche von den Aposteln selbst noch gepflanzetworden waren, als den Mittelpunct der kirchlichenVereinigung an. Die Bischöfe der großen Kirchenmachten den Hauptstamm aus, und die Bischöfe derkleinern Gemeinen wurden als die Nebenäste undZweige desselben angesehen. Dieser Begriff von derEinheit der Airche zog bald auch eine Verände-rung in dem Begriffe von der Airche selbst nachsich. Man fing an, unter der Kirche vornehmlichdie vereinigten Bischöfe der Christenheit zu verste-hen. Wollte man also zur einzigen apostolischenKirche gehören: so mußte man in diese Vereinigungder Bischöfe unter einander eingeschlossen seyn. DieEinheit der Airche war nicht mehr die bloße Ue-bereinstimmung des Glaubens und des Lebens mitden Lehren und Vorschriften der Offenbarung; sieward als eine bürgerliche und physikalische Vereini-gung angesehen; man bildete sich ein, von deinHauptstamme abgerissen, und ein todter dürrer AstZu seyn, wenn man von den Bischöfen verworfen
wurde.