?48 Geschichte der christlichen Religion.
war, noch viele Briefe, die eines Märtyrers wür-dig waren, und starb endlich nach vielen von Heiden und Bischöfen erduldeten Leiden in seinem sieben undsechzigsten Jahre. Die Verfolgung wider ihn dau-erte noch nach seinem Tode, und seine Freunde undVertheidiger wurden im vierten und fünften Jahr-hunderte als Keßer unter dem Namen der Origeni-sten heftig gedrücket und verdammet. Origenes hatte einen durchdringenden Geist, eine großeScharfsinnigkeit, eine starke und weite Einbil-dungskraft; allein, er überließ sich seiner Lebhaftigkeitallzusehr, und weil er alles ergründen wollte, ver-lor er sich zu oft in seinen sviHfündigen Gedanken.Er besaß eine große Leichtigkeit zu erfinden, undseine Gedanken gut auszudrücken, wiewohl seine Er-findungen nicht allezeit die anstandigste Richtigkeit,und seine Schreibart nicht alle Schönheit hatte, welcheer ihr hatte geben können. Er war unermüdet in sei-nen Arbeiten; allein er arbeitete zu viel und zu schnell;denn er hatte oft sieben oder acht Personen sitzen, de-nen er seine Gedanken auf einmal in die Feder sagte.Seine Gelehrsamkeit war von einem sehr weiten Um-fange; wie viele unvergängliche Vortheile hätte erbey solchen vorzüglichen Eigenschaften der Religionschaffen können, wenn nur die Philosophie der plaro-niker nicht allzuviele Reizungen für ihn gehabt hätte!
Origenes wurde verdammet; aber nicht sowohlseiner Irrthümer wegen, als vielmehr darum, daßer ohne Vorwissen seines Bischofes zum Priester ge-macht worden war. Seine Verdienste waren seineVerbrechen. Als die nachfolgenden Jahrhundertein den wider ihn ausgesprochnen Bann willigten: sosuchten sie erst Ursachen auf, ein so hartes Urtheil zu
recht-