Zweyter Abschnitt. 349
rechtfertigen. Doch der langwierige Streit, derüber seine Rechtgläubigkeit geführet wurde, dientenur dazu, seine Irrthümer mehr auszubreiten undzu befestigen. Er hatte seine Bewunderer und Freun-de, und vornehmlich fand er unter den Mönche»und Einsiedlern unzahlbare AnHanger, die seine Ver-theidigung über sich nahmen. Fanden sie Irrthü-mer in seinen Schriften, die allzudeutlich widerdie Offenbarung stritten, als daß sie vertheidigetwerden konnten: so behaupteten sie, daß seine Schrif-ten von seinen Feinden verfälscht worden waren.Denn er selbst hatte schon, da er noch lebte, bittreKlagen darüber geführct. Unter diese Irrthümer ge-hörete vornehmlich die endliche Wiederherstellungaller Geister, sowohl der gefallenen Menschen, alsauch der aufrührischen Enge!; ein Irrthum, welchereine natürliche Folge des platonischen Systems war.Denn da in diesem Lehrgebäude alles, was einewirkliche Existenz und ein wahres Wesen hatte, einAusfluß aus der Gottheit war: was war nach dem-selben möglicher, als die endliche Rückkehr aller Gei-ster und Wesen in Gott ? Die meisten andern Irr-thümer, die ebenfalls Folgen dieser falschen Weis-heit waren, schmücketen sie aus, und suchten sie so sehrzu verschönern, daß sie endlich sogar Lehren seinerFeinde wurden. Sein großes Ansehen war es, dasvornehmlich den falschen Lehrsah bestätigte, daß alleAussprüche der göttlichen Offenbarung nicht allein ei-nen buchstäblichen, sondern auch einen geistlichen,geheimen und allegorischen Verstand hätten. DerSchade ist unbeschreiblich, den dieser einzige Irr-thum der christlichen Religion gethan hat. Kannwohl der menschliche Geist eine Thorheit erfinden,
die