Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
351
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Zweyter Abschnitt. 35-

Kirche angesehen wird. Sollte aber das nicht einegöttliche Lehre seyn, was die Lehre der Kirche ist?

Daß die Engel und die verstorbenen Heiligen mituns und für uns bethen, das ist eine erlaubte Muth-maßung. Origenes zog diesen Lehrsaß als eine S»-^.Folge aus der Wahrheit, daß die Seelen der ver- F?ec.swrbenen Heiligen nach ihrer Auflösung vollkomme-ner würden. Da die unvollkommene lVissen-schaft, welche rvir in diesem Leben besitzen, in-dem andern Leben vollkommener wird: ist esnicht eine große Ungereimtheit, solches nichtauch von andern Tugenden zu glauben, und»besonders von der Liebe gegen den Nächsten.Mir müssen mTVahrheir von derselben glauben,daß sie in den Seligen weir starker sey, als in densterblichen, so schwachen und unvollkommenenMenschen. Allein, kann die Liebe der Seligen ge-gen ihren Nächsten nicht vollkommener seyn, wofern,sie nicht für uns bethen? Wenn sie sich nun viel-leicht wegen der unbeschreiblichen Freuden des ewi-gen Lebens nicht an die Welt zurückerinnern? Wie,wenn Abraham nichts von uns weis, und Jsaac unsnicht kennet? Aber vielleicht werden sie uns kennen,und dann werden sie, weil ihre Liebe gegen ihren.Nächsten stärker geworden seyn muß, auch unstreitig,für uns bethen. Vielleicht; abervielleicht auch nicht,wenn sie von Gott eine gewisse Nachricht von den end-lichen Schicksalen aller Menschen erhalten. Vielleicht;Kein Vielleicht hat ein Recht, als eine Wahrheit an-gesehen zu werden, und Muthmaßungen gegenMuthmaßungen gehen auf. Unrerdesien wird in dennachfolgenden Zeiten die Vorbirre der Heiligenfür eine wesentliche Wahrheit der Religion gehalten,

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