Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
352
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Z52 Geschichte der christlichen Religion.

welche zwar nicht in der Offenbarung, aber doch inder Tradition, gegründet serm soll, weil Origenes ein einziges wichtiges Vielleicht ausgelassen hat.

Ungeachtet Origenes lehret, daß aufdieFrom-men ein seliges Leben als eine Vergeltung ihrer Hei-ligkeit wartete: so hatte er doch aus der platonüschen Philosophie die falscheLehre angenommen, daßnach dem Tode alle Menschen, auch die Heiligen,durch ein gewisses Feuer gehen und von den ihnen> aus diesem Leben noch anhangenden Unreinigkeitmgereiniget werden müßten.<5. Ueberdieß kann Origenes auch als einer vonNAI den Vorgangern des pelagtus angesehen werden.,./>-»-. ^.^^ vo he» Grundsätzen der plaroniker ver-? führet, die Freyheit des menschlichen Willens allzu-^/.'o- sehr, und von der göttlichen Gnade redete er zu wenig,c. zo. Denn er behauptete, daß ein vernünftiges Geschöpf,o. ?» , allen Umständen das Gute oder das Böse mit^-v. l» ^jner vollkommenen Freyheit wählece, und zur Aus-Übung brächte, und er schrieb die Bekehrung desMenschen mehr seiner freyen Entschließung, als dere,«/. Gnade Gottes zu, ja er behauptete sogar, daß derMensch sich schon in dem gegenwärtigen Leben zu einemgewissen Stande der Unsündlichkeit erheben könnte.

Es ist wahr, alle diese Irrthümer würden viel-leicht unter dem Schutze des Ansehens, welches sichOrigenes erworben hatte, auch sicher gewesen, undfür göttliche Wahrheiten gehalten worden seyn, wenndie Kirche auch an seiner Rechtgläubigkeit nicht ge-zweifelt hatte. Allein, wäre dieser Streit unter-blieben : so wären vielleicht seine Schriften nicht sobekannt, und seine falsche Meynungen von seinenFreunden nicht so ausgeschmücket worden. DieNeu-

begierde