Zweyter Abschnitt. ?55
Wahrheit mit der Milch ihrer Mütter einsogen, undin den frühesten Iahren vor aller Abgöttcrey mit ei-nem so großen Abscheue erfüllet wurden, daß sie sichauch vor dem geringsten Schatten einer gotteöbienst-lichen Verehrung der Creaturen entsetzeten. DieseWahrheit wurde eben so oft von bekehrten Heiden,die doch so sehr an die Anbethung vieler Gottheitengewöhnt waren, bekannt. Welch eine Gemaltmußte sie haben, daß sie die alten Vorurthcile soleicht vertilgen konnte, welche noch eine so allgemeineHerrschaft auf der Erde hatten! Sie gründeten diese ,Anbethung eines einigen Gottes besonders auf seineAllmacht, auf seine unendlichen Vollkommenheiten,und auf den Befehl der heiligen Schrift. Tcrml-liai! verwarf mit andern christlichen Lehrern den Gö-tzendienst, weil alle Götter der Heiden Menschen ge-wesen wären. „ Ihr könnet nicht leugnen, sagte er„zu den Heiden, daß eure Götter erst nach ihrem„Tode zur Würde der Gottheit erhoben worden sind.„Untersuchet einmal die Ursachen ihrer Vergötterung.„Erstlich müsset ihr doch einräumen, daß es eine»„höhern Gott, einen Eigenthümer der Gottheit gebe,„der diejenigen zu Göttern gemacht hat, die erst„Menschen gewesen sind. Denn wenn sie sich selbst„zu Göttern hätten machen können: so würden sie„nicht erst Menschen zu seyn angefangen haben. Es„muß also einen Gott geben, der, wie ihr meynet,„Götter erschaffen kann. Was kann er nun für Ur-sachen gehabt haben, sie neben sich auf seinen Thron„zu setzen? Sollte er ihrer Hülfe nöthig gehabt ha-„ben? Allein, es schicket sich nicht für Gott, der Hülfe„eines andern Wesens nöthig zu haben, und beson-ders von den Todten Hülfe zu erwarten. Die Welt
Z » "wag