Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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358
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358 Geschichte der christlichen Religion.

^ Eben diese Ehrfurcht leiteten sie auch aus seiner,5«"/,. c. andern Vollkommenheiten her. Es ist lächerlich,blinde, taube, oder solche Wesen anzubethen, welcheihrer Natur nach nicht fähig sind, unsern Bedürf-nissen abzuhelfen, weil sie dieselben nicht einmal7«i',ttV. kennen. Hingegen ist es vernünftig, wie eben der^ ^ ^ schon oft angeführte Tertullian saget, den einzigenGott nur anzubethen, rvetl man gewiß ist, daßer an allen Orten sieht und Hörer, und ger n fürdie Bedürfnisse seiner Geschöpfe sorget. Da.her versagten sie allen Creaturen, auch den besten undden heiligsten, alle gottcsdienstliche Ehre. Ein Arhe-c/5Ä'^ ° nagoras wollte sich nicht den himmlischen Mach-x durch eine gorcesdienstliche Verehrung der^

selben unterwerfen, sondern dem, der ihr Schö-pfer und Meister ist; er suchte den Herrn derGeister, er suchte nicht die lVerke Gorres,sondern Gort selbst. Zu einer Zeit, da sich dieKaiser der Erde vergötterten, und bey ihrem Glückeund Schutzgeiste schwören ließen, da sie die Christenzu diesem Verbrechen durch Martern zwingen woll-ten , da es das Leben galt, wenn man dem Stromeder Schmeichler entgegen schwomm, starb man lieber,als daß man bey dem Kaiser schwor, weil man solchesals eine gottesdienstliche Handlung ansah. DerAberglaube gründet seine Verehrung der Creaturenauf die Vergleichung Gottes mit einem Könige, andessen Lieblinge sich der Unterthan wenden muß, wenner erhöret werden will, ungeachtet derjenige Königsehr wider seine Würde handelt, welcher alsdennerst recht gnädig ist, wenn er durch die Ohren seinerGünstlinge gehöret hat. So giebt der AberglaubeGott auch Lieblinge, die man anbethen soll« Hinge-