Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
366
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?66 Geschichte der christlichen Religion.

sagte Tatian ; Gott hingegen allein muß gefürchtetwerden. Die Christen, sagte Grigcnes, steigen vonsichtbaren Dingen dieser Welt zu ihrem Schöpfer'/.L. Urheber hinauf; sie vertrauen sich ihm, als dem-

jenigen, der für alle genug ist; der die Gedanken allerMenschen sehen, und alle ihre Wünsche und Gebethehören kann. Die Christen richten alle ihre Gebethe anGott, und was sie thun, thun sie, als wenn sie es vorseinen Augen thäten; weil er der Zeuge und Richteraller Handlungen ist: so nehmen sie sich in Acht, nichtszu thun, was ihm nicht gefallen möchte. Ein Christhat genug, wem, er einen gnadigen Gott hat; manmuß mit der Gnade Gottes durch unsern Herrn Je-sum Christum zufrieden seyn. Aus allen diesenGrundsahen schloß er, daß man bloß Gott, den un-umschränkten Beherrscher der Welt, zu versöhnen undanzurufen suchen müsse.

So fruchtbar diese Beschreibung von dem richti-gen Glauben der ersten Christen, in der Lehre von derGottheit, an natürlichen Folgen für ihre Rechtgläu-bigkeit, in vielen andern geoffenbarten Lehren ist: sowollen wir ißt doch nur einen unumstößlichen Beweisdaher nehmen, daß sie einen dreyeinigen Gott ange-bethet haben, ob gleich die ersten Zeiten wenig vondem Namen der Dreyeinigkeit und der Personenin Gott wußten. Da die Christen einen so unüber-windlichen Abscheu vor aller gottesdicnstlichen Ver-ehrung der Creaturen hatten, und ihr Blut mit Freu-den wegen dieses Glaubens an einen einigen Gottvergossen: würden sie Jesum Christum wohl angebe-tet haben, wenn sie ihn nicht für den einzigen wahrenGott gehalten hätten? Würde sein Lob in ihrengottesdienstlichen Liedern und Gesängen erschollen senn?

Wür-