z8o Geschichte der christlichen Religion.
Platoniker machten unstreitig die zahlreichste Parteyaus: allein welch ein Unterschied zwischen der ältern,der mittlern, und der jüngern Akademie! Welchein Unterschied zwischen den alten und neuern aleran-drinischen Platonikern! Eine philosophische Parteyverschlang die andere, oder vermengte sich mit derandern, und allezeit blieb der gemeine Haufe unfä-hig, den hohen und dunkeln Unsinn der Philosophenzu fassen. Unter den Christen hingegen fand manJungfrauen,'Kinder, verfchmähete Landleute undoft Bettler, welche von den erhabensten Gegenstän-den , mit welchen sich nur der menschliche Verstandbeschäsftigen kann, gesundere und wirklichere Begrif-fe hatten, als die Sokrates und Platone der Grie-chen ; und der größte Geist unter den Christen be-kannte, daß er keinen nähern und richtigern Wegzur Glückseligkeit wüßte, als der niedrigste und un-gelehrteste Christ. Ja e6 geschah oft, daß diejeni-gen unter den Christen, welche die größte Gelehr-samkeit und Wissenschaft besaßen, in der größten Ge-fahr waren, mit ihrer Wissenschaft zu scheitern, aufAbwege zu gerathen und sich zu verirren. Man sahzwar irrgläubige Parteyen unter den Christen. Dochnicht zu gedenken, daß viele für irrgläubige erklärteSeccen, zum Exempel die Montanisten, die No-vananer, und andere, mehr in Gebräuchen, alsin Grundwahrheiten irreten: können wohl einige un-ruhige Geister in einem sonst friedlichen, wohleinge-richteten und starkbevölkerten Staate demselben denVorwurf zuziehen, daß alles darinnen voll Aufruhrund Unruhen sey; zumal, wenn die Mitglieder ei-nes solchen Reiches alle Aufrührer sogleich darausverweisen? Es ist wahr, daß sich, besonders durch
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