Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
381
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Zweyter Abschnitt. z8?

die übertriebene Liebe der gelehrtern Christen gegen,die irdische Weisheit der Heiden, verschiedene Irr-thümer auch unter die Rechtgläubigen einschlichen.Allein, theils waren sie so beschaffen, daß sie nebenden Grundwahrheiten des Christenthums bestehenkonnten, theils waren sie nur Meynungen einzelnerLehrer; theils bemerkte man den Streit nicht, deretwa zwischen ihnen und den Grundlehren der geof-fenbarten Religion war, sondern glaubte sie ebendeswegen, weil man eine freundschaftliche Ueberein-stimmung zwischen beyden wahrzunehmen glaubte.Die christliche Religion hatte die Menschen vergöt-tern müssen, wenn man unter den Christen gar kei-ne Spur unserer unbeständigen und zur Verände-runggeneigten Natur mehr hätte finden sollen. Genug,daß sie in den Grundwahrheiten einig waren. Wermuß nicht über eine solche Eintracht des Glaubenserstaunen ? Was für Künste weis nicht das mensch-liche Herz, der Wahrheit zu entgehen, wenn ihmder Irrthum mehr, als sie, schmeichelt, und wie be-reitwillig ist es nicht, diese zu verstoßen und jenenanzunehmen. Und die Lehren der christlichen Reli-gion , so vernünftig sie auch sind, wenn die Ver-nunft gesund ist, sind so beschaffen, daß der natür-liche und sich selbst gelassene Mensch allezeit wünschenwird, sie möchten weniger wahr, oder was er nochlieber sähe, sie möchten ganz ungegründet seyn. Waswaren es also für Bande, welche den flüchtigen Geistder Menschen an einen Glauben so zu sagen anfes-selten? Was unterhielt und stärkte diese göttlicheEintracht? Man kann viele Ursachen davon ange-ben ; die vornehmste aber war die Ehrfurcht der er-sten Christen überhaupt gegen die ganze göttliche Of-

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