Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
382
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zZ2 Geschichte der christliche!: Religion.

fenbarung, besonders aber gegen die göttlichen Schrif.ten des neuen Testamentes. Je größer diese Ehr-furcht war, je weniger sie sich auf dem Wege derSeligkeit andern Führern, als ihnen überließen, de-sto reiner war ihre Religion, desto allgemeiner ihreUebereinstimmung in den Grundwahrheiten des Chri-stenthums.

Gott konnte seine Religion unter den Menschenohne eine schriftliche Offenbarung erhalten und aus-breiten, wenn er nicht ein Gott der Ordnung wäre,und ohne Aufhören Propheten hätte erwecken undWunder thun wollen. Eine bloß menschliche mündlicheFortpflanzung war zur Ausbreitung und Erhaltung dergeoffenbarten Wahrheiten des Heils ein ganz unge-schicktes Mittel. Es mußten nothwendig zur Be-kräftigung derselben Wunder geschehen; denn siewaren ein Siegel der Gottheit: allein sie durften,wenn Gott nicht wider die Gesetze seiner Weisheithandeln wollte, nicht ohne Noth vervielfältiget wer-den. Sollte er seine Wahrheit bloß dem Gedächt-nisse und der Treue so verderbter und unbeständigerGeschöpfe anvertrauen, als Menschen sind? Daes Zeiten gegeben hat, in welchen sie, ungeachtet desDaseyns einer schriftlichen Offenbarung, beynahe ver-loren worden ist: was würde ihr wiederfahrenseyn, wenn wirkeine andere Quelle derselben erhal-ten hätten, als das so ungetreue Gedächtniß derMenschen, welche bald von der Schwachheit ihresGeistes, bald vom Stolze, bald von noch schandli-chern Leidenschaften verführet werden können, dieWahrheit zu verändern, oder ihre Irrthümer hinzuzusetzen? Der Verlust der wahren Religion warum so vielmehr zu befürchten, je mehr Jahrhunderte

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