Zweyter Abschnitt. 385
bekannt. Die meisten Apostel vermeileten sich ver-schiedene Jahre in Palästina, und überdieß warendie allerersten Gemeinen so stark nicht, daß nicht bey-nahe ein jeder, dem etwas zweifelhaft, oder nichtdeutlich genug war, sich personlich von einem oderdem andern Apostel unterrichten lassen konnte. Gl-'ichnach der Auffahrt Jesu Christi seine Begebenheitenund Wunder aufzuzeichnen, das harte eine allzuanqst-liche Sorgfalt, und beynahe ein Mistrauen in diegme Sache der Wahrheit verrathen. Die erstenchristlichen Gemeinen glichen den Familien der Erz-vater, die keine schriftliche Offenbarung brauchten,weil Gott selbst noch durch den Mund ihrer Häuptermit ihnen sprach. Es war der Wahrheit zuträgli-cher, daß die Jünger des Herrn, Jesum Christum ,den Gekreuzigten, erst predigten, ehe sie schrieben.Ihre Schriften, die sie nachher ausfertigten, erhiel-ten dadurch eine größere Glaubwürdigkeit, wennniemand wider die Lehren, die darinnen enthaltenseyn solltenund vorher schon überall mündlich be-kannt gemacht worden waren, auftreten und sagenkonnte, daß sie etwas anders geprediget, etwas an-ders aufgeschrieben hätten. Harten die Apostel Ju-däa sogleich verlassen? alle Völker zu lehren und aufden Namen des dreyeinigen Gottes zu taufen, undhatten sie sich, in Ansehung der Juden, mit einerbloß schriftlichen Aufzeichnung des Lebens unsers Er-lösers begnüget: was für Lästerungen würde der Un-glaube wider die göttliche Offenbarung ausstoßen?Die Schriften der Apostel sind alt, das würde nochder Bescheidenste unter den Ungläubigen sagen.Allein, was für Glauben verdienen wohl Schriften,welche Lehren in sich fassen, die vor ihrer schriftlichenII. Theil. B b Vcr.