386 Geschichte der christlichen Religion.
Verfassung nicht vornehmlich da verkündiget wordensind, wo sie den ersten Beyfall oder Widerspruch fin-den konnten? Warum blieben ihre Verfasser nichtin Judaa , wo ihre Lehre, wenn sie falsch war, ent-weder durch die öffentliche Widerrede ihrer Feinde,wo nicht ihres Ansehens beraubt, zum wenigsten dochverdächtig gemacht werden, oder durch das Still-schweigen derselben zur öffentlichen Erzählung undAusbreitung solcher Begebenheiten, auf welche sichihre ganze Lehre gründete, ein noch größeres Gewichterhalten mußte? Damit der Religion dieser Vor-wurf nicht gemacht werden könnte, so predigten die Apo-stel eher, als sie schrieben, und zwar in Jerusalem ,wo sowohl ihre grausamsten, als ihre angesehenstenFeinde waren. Diese konnten nachher Begebenhei-ten, die vor ihren Augen geschehen, gepredigt, undmit neuen Wundern bekräftigt worden waren, nichtleugnen, als sie aufgeschrieben wurden.
So wenig aber die Apostel nöthig hatten, gleichbey dem Antritte ihres Lehramtes die Geschichte JesuChristi , als den Grund unsers Glaubens, aufzuzeich-nen: so nöthig oder so heilsam war es doch, daßGott nicht allzulange verzog, das Evangelium durchschriftliche Zeugnisse zu bestätigen. Es war heilsam,daß nicht allein die Apostel, sondern daß dieselbenauch zu einer Zeit schrieben, wo noch genug Augen-zeugen von dem, was sie erzähleten, sowohl unter denFeinden, als unter den Freunden ihrer Lehre übrigseyn konnten. Auf diese Weise erhielt dis evangeli-sche und apostolische Geschichte für die Nachkommeneine unüberwindliche Glaubwürdigkeit, welche dieStelle aller Wunder vertritt, die nur zum Beweiseihrer Göttlichkeit von zweiselsüchtigen Menschen ge-
fodert