M Geschichte der christlichen Religion.
wmg im Erzählen, als ein anderer; alle aber beschrei-ben die größten und erhabensten Begebenheiten undWunder ohne alle menschliche Künste, ungeschmücktund auf die natürlichste Art. Man findet in ihrerWeise zu erzählen die deutlichsten Proben der größ-ten und vollkommensten Redlichkeit und Offenherzig-keit ; was sie erzählen, erzählen sie, als wenn sie garkeinen Gebrauch davon zu machen gedäctMn. Wasfür ein Stoff für einen Herodotus oder Livius !Was ist die wichtigste Schlacht eines Alexanders ge-gen die Auferweckung eines Lazarus! Wenn die Apo-stel alles Wunderbare und alles Erhabene in denHandlungen und Reden Jesu Christi hätten entwi-ckeln wollen: was würden sie für ewige und unver-gängliche Denkmäler der menschlichen BeredtsamkcitHinterlassen haben! Man höre einen Rlopstoct? eineHandlung Jesu Christi erzählen; man hebe aus sei-nen Gesängen nur eine solche heraus, in welche erLeine Erdichtung eingeflochten hat: Was ist wohlalsdann Homer , der durch seinen Gesang von denThorheiten der Götter und der Menschen unsterblichgeworden ist? Allein, hätten die Jünger des Herrnmit einer solchen Kunst geschrieben: so würden siezwar die Wollust des menschlichen Geistes mehr un-terhalten haben; aber sie wären verdächtiger gewor-den ; zum wenigsten hätte man schließen können, daßihre Schriften zwar Werke von großen Geistern wa-ren, nicht aber, daß sie Gott selbst zum Urheber hät-ten. Gott zeiget in allen seinen Werken eine maje-stätische Einfalt; darum lenkte er die heiligen Ge-schichtschreiber, daß sie in der Beschreibung der Be-gebenheiten , auf welche die christliche Religion ge-gründet seyn sollte, keine menschliche Kunst brauchen
durften.