Zweyter Abschnitt. 393
Geschichte der heiligen Schriften des neuen Bundes,und scheine vielleicht nicht die Sprache eines Ge-schichtschreibers , sondern die Sprache der Verwun-derung zu reden. Aber man lese sie nur mit derAufmerksamkeit und Ehrfurcht, welche man denschriftlichen Denkmälern großer Geister schuldig ist,und sehe, ob man darüber mit Recht erstaunen kann,wenn man mit Verwunderung von ihnen redet.
Alle diese Anmerkungen beweisen deutlich genug,daß die Schriften der Apostel wirkliche Schriftenderselben sind, und von keinen Betrügern unterge-schoben seyn können. Was für eine Starke solltenicht dieser Beweis gewinnen, wenn man diese zu-sammengedrängten Gedanken auswickeln wollte?Diese göttlichen Schriften haben so etwas Eigenes,das sie von keines Betrügers Hand haben erhaltenkönnen. Man kann dieß Eigene leicht fühlen, wennman nur kein Vergnügen daran findet, sich selbst zuverwirren, und muchwillig in Ungewißheit undZweifel zu stürzen. Man findet nicht die geringsteSpur eines Vorsatzes, den Leser durch die Erzählungerdichteter Begebenheiten zu belustigen, keine Spureines Vorsatzes, aus geheimen Absichten zu betrügen,darinnen. Man entdecket weiter nichts, als die Ab-sicht, die Menschen von vergangenen Begebenheitenzu unterrichten, weil ihnen an der Wissenschaft der-selben gelegen seyn muß. Zeiten, Oerter, und Per-sonen, alles ist richtig bezeichnet; die Begebenheitenwerden umständlich, und auf eine natürliche Arterzählt. Diese Geschichtschreiber reden ernstlich undüberzeugt. Und wer kann wohl, ohne lächerlich zuwerden, von den Briefen der Apostel sagen, daßsie bloß zum Zeitvertreibe und nicht zum Unterrichte
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