Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
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394
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594 Geschichte der christlichen Religion»

der Menschen, oder in der Absicht, sie zu betrügen^geschrieben worden wären? Es ist also außer allenStreit, daß die Schriften der Apostel wirklicheSchriften derselben sind. Allein, eben deswegensind sie auch göttlich. Was herrschet nicht für eineUebereinstimmung zwischen ihren Schriften und denSchriftendes alten Bundes! Und wenn ich nichtdie Grundsähe einer weisen Vernunft verleugnenwill: so bin ich genöthiget, diese für göttlich zu hal-ten. Alles, was die Apostel erzählen oder lehren, istwahr; in der Geschichte hat sie niemand einer Un-wahrheit überführen können, und die Vernunft kannihre Lehren, welche sich noch dazu auf wahre undunstreitige Begebenheiten gründen, keiner Unwahr-heit, keines Widerspruchs, keiner Ungereimtheit be-schuldigen: sollten sie wohl die einzige Unwahrheitgesagt haben, daß sie ihre Lehren von Gott empfan-gen hätten, da sie so beschaffen sind, daß sie niemalseinem menschlichen Verstände haben einfallen kön-nen ? Ihre Sittenlehrc ist so heilig und vollkom-men ; man kann aus allen ihren Vorschriften, dieTugend so zu sagen athmen; sie zeigen sich alle alssolche, welche die Wahrheit sagen, und für dieWahrheit zu sterben bereit sind. Und daß sie sol-ches gethan haben, davon finde ich selbst in ihren Ge-schichten viele Beyspiele. Sollten mich alle diese Be-trachtungen nicht von der Göttlichkeit ihrer Lehrenund Schriften überführen? Gesetzt, ich wüßte vondem Zeugnisse so vieler Kirchen für ihre Göttlichkeitnichts, und nichts von der Ausbreitung und Erhal-tung einer Religion, welche nur dem Menschen nichtangenehm seyn kann, der sich allen seinen Leidenschaf-ten Preis giebt; hätte ich darum gar keinen Grund,

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