Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
395
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weyter Abschnitt. 395

sie für göttlich zu halten? Ein Augustin sagte:Ich würde dem jLvangelio nicht glauben,wenn mich nicht das Zeugniß der Rirche dazubewöge. Augustins Aussprüche waren nicht gött-lich, und die unzähligen Anführungen desselben ge-ben ihm keine Unfehlbarkeit. Ein anderer vernünf-tiger Mann würde eben so oft angeführt zu werdenverdienen, wenn er sagte: Ich würde dem Evan-gelio glauben, wenn mich auch das Ansehender Ruche nicht dazu bewöge.

Allein, warum werden die Begebenheiten, wel-che die evangelischen Geschichtschreiber erzählen, nichtauch von andern theils jüdischen, theils heidnischenGeschichtschreibern erzählt. Wir wollen auf einenAugenblick annehmen, daß dieser Einwurf, der voneinigen Feinden der Religion dem Ansehen der apo-stolischen Schriften entgegen gesetzt wird, ohne Ein-schränkung und nähere Bestimmung wahr wäre;,wir wollen noch freygebiger seyn, und annehmen,daß das Zeugniß, welches IosephuS von unsermErlöser abgelegt haben soll, nicht allein verdächtig,oder bloß durch fremde Zusätze verfälscht, sondernganz untergeschoben sey, ob es gleich unstreitig ist,daß sich dasselbe eben so leicht vertheidigen, als an-greifen und bestreiken läßt: was würde denn darauswider die apostolischen Schriften folgen? Sind siedarum weniger glaubwürdig und göttlich? Oderwürden sie beydes mehr geworden seyn, wenn dieJüden und Heiden eben die Begebenheiten bezeugc-ten, welche die Jünger unsers Erlösers bezeugen?Wenn man ohne ihr Zeugniß Zweifel wider die apo-stolischen Schriften machen kann: ließen sich dennnachher nicht eben die Zweifel wider die jüdischen

und