Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
Seite
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396 Geschichte der christlichen Religion.

und heidnischen Geschichtschreiber machen? Könnteman nicht sagen, daß sie entweder zu leichtgläubiggewesen wären, und sich von dem gemeinen Gerüchtehätten hintergehen lassen, oder gar, daß diese vorgeb-lichen jüdischen und heidnischen Geschichtschreibervon dem Betrüge der Christen herkämen? Washätten bey dergleichen Einwendungen die apostoli.sehen Schriften gewonnen? Daß ein Josephus,der einen weltlichen Messias, einen Monarchen derErde erwartete, und den VespasianuS dafür haltenkonnte, von den Wundern Jesu Christi schweigt,das ist beynahe ein größerer Beweis für die Glaub-würdigkeit und Göttlichkeit der apostolischen Schrif-ten, als sein Bericht derselben seyn kann. SeinStillschweigen ist natürlicher und begreiflicher, alsseine Erzählung seyn würde. Was hätte denn einMann von so großer Vernunft, als JosephuS war,für eine unverschämte Stirn haben müssen, wenn erdie Wunder Jesu Christi mit eben der Aufrichtigkeit,mit welcher sie die Apostel erzählt haben, erzählt, undweil er kein Christ werden wollte, sie für Kleinig-keiten , oder für Wirkungen der Zauberey ausgege-ben hätte, da doch so offenbare Charakter der Gott-heit darauf geprägt waren? Verhinderten ihn ir-dische Absichten und Vorurtheile nicht, der Wahrheitzu glauben: so handelte er für seine irdische Ehream vernünftigsten, daß er schwieg, damit er wederfür einen Lügner noch für einen Unverschämten gehal«ten werden möchte. Man versetze einen Ungläubi-gen , der die Wahrheit der christlichen Religion be-freitet, in die apostolischen Zeiten; man lasse ihneinen Augenzeugen von allen Wundern Jesu Christi und seiner Apostel seyn, und das ist vielleicht Jose-phuS