Teil eines Werkes 
Theil 2 (1752) Jacob Benignus Bossuet, Bischofs von Meaux, Einleitung in die Geschichte der Welt, und der Religion / fortgesetzet von Johann Andreas Cramern, Hochfürstl. Oberhofpredigern in Quedlinburg
Entstehung
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401
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Zweyter Abschnitt. ' 4c>i

weniger apostolisch, und weniger göttlich seyn? Wür-den sie darum weniger Ehrfurcht und weniger Ge-horsam verdienen ? Und würde in diesem Falle Gott mit uns zufrieden seyn, wenn wir nur die Wege be-traten, die er uns gezeigt hätte; geseßt auch, daßsie noch unzureichend waren ? Also dienen alle solcheFragen zu nichts, als daß sie das bösartige Gemüthderer entlarven, die sie aufwerfen.

Aber vielleicht sind die Schriften der Apostelnicht unverfälscht bis auf uns gekommen. DieseFrage ist leicht zu beantworten. Man muß nur vorSerste festsetzen, was man unter den Verfälschungender apostolischen Schriften verstehen will. Mankann darunter nicht die verschiedenen Lesarten, welchedie Geschichte und die Lehre der Apostel nicht verän-dern, nicht die kleinen Abweichungen der evangelischenGeschichtschreiber von einander, welche bloß den Aus-druck oder die Ordnung der Erzählung betreffen, auchnicht Erzählungen, die in einem Geschichtschreiber dasind, und in einem andern mangeln, oder sich in eini-gen Abschriften derselben befinden, und in andern Co-pim nicht angetroffen werdet; alles dieses kann manmit Recht nicht unter dem Namen der Verfälschun-gen begreifen. Unter Verfälschungen der apostoli-schen Schriften kann nichts anders verstanden werden,als Erzählungen von Begebenheiten, welche die Apo-stel nicht erzählet haben, oder Lehren, die sich nichtvon ihnen herschreiben, und welche gleichwohl in dieSchriften der Apostel als apostolische Erzählungenund Lehren eingeschoben worden sind. Diese Verfäl-schungen mußten entweder von den Widersachern derApostel, oder von den rechtgläubigen Anhängern der-

II Theil. C c selben